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Portraitbild: Melanie Harrer
07 Oktober 2026
Wie lassen sich die Fortschritte beim Klimaschutz transparent messen? Nicht mit Absichtserklärungen, sondern mit Zahlen. Die Treibhausgasbilanz (THG-Bilanz) der Energie Steiermark macht sichtbar, wo Emissionen im Unternehmen entstehen, wie sie sich entwickeln und welche Maßnahmen eine reduzierende Wirkung zeigen. Die Ergebnisse der THG-Bilanz für das Geschäftsjahr 2025 geben Anlass zu Optimismus: Die Treibhausgasemissionen der Energie Steiermark im In- und Ausland sind gegenüber dem Vorjahr 2024 um rund fünf Prozent gesunken.
Wer wissen möchte, wie erfolgreich ein Unternehmen wirtschaftet, liest die Finanzbilanz. Wer verstehen möchte, welche Auswirkungen ein Unternehmen auf das Klima hat, blickt in die Treibhausgasbilanz (THG-Bilanz). Sie zeigt, wo Treibhausgasemissionen entstehen, welche Bereiche besonders relevant sind und welche Maßnahmen zu ihrer Reduktion beitragen.
In Zeiten intensiver Diskussionen über verbindliche Klimaschutzziele und die zukünftige Ausgestaltung klimapolitischer Rahmenbedingungen kommt dieser Transparenz bereits eine hohe Relevanz zu. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Emissionen systematisch zu erfassen, Reduktionspotenziale zu identifizieren und Fortschritte nachvollziehbar darzustellen.
Die aktuelle THG-Bilanz der Energie Steiermark zeigt eine erfreuliche Entwicklung: Die Treibhausgasemissionen des Konzerns konnten im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um rund fünf Prozent gesenkt werden. Die Ergebnisse zeigen, dass bereits gesetzte Maßnahmen Wirkung entfalten und der eingeschlagene Weg in Richtung Klimaneutralität konsequent weiterverfolgt wird.
Grundlagen und Methodik
Eine Treibhausgasbilanz erfasst sämtliche klimarelevanten Emissionen eines Unternehmens. Dabei werden nicht nur jene Emissionen betrachtet, die direkt im eigenen Unternehmen entstehen. Auch vor- und nachgelagerte Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette werden berücksichtigt.
Warum das wichtig ist, haben wir bereits in den beiden ImpulsE-Beiträgen „Treibhausgasbilanz: What gets measured gets managed“ und„Scope 1, 2 oder 3?“ näher erläutert.
Kurz zusammengefasst werden Emissionen in drei Kategorien unterteilt:
Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen Anlagen und Fahrzeugen.
Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie, beispielsweise Strom oder Fernwärme.
Scope 3 umfasst alle weiteren indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, etwa durch eingekaufte Produkte oder den Absatz von Energie an Kund:innen.
Die THG-Bilanz der Energie Steiermark wird auf Basis internationaler Standards erstellt. Seit der THG-Bilanz 2024 erfolgt die Berechnung nach den Vorgaben des Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol), dem weltweit führenden Standard für die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen. Darüber hinaus wurde die Systemgrenze erweitert. Die Bilanz umfasst den gesamten Energie-Steiermark-Konzern im In- und Ausland und ermöglicht damit eine noch umfassendere Betrachtung der klimarelevanten Auswirkungen der Unternehmensaktivitäten. Die Weiterentwicklung der Methodik trägt zur Steigerung von Transparenz und Vergleichbarkeit bei.
Die Entwicklung der THG-Bilanz
Die aktuelle THG-Bilanz weist für das Geschäftsjahr 2025 Treibhausgasemissionen in Höhe von rund 1,85 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent aus. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Reduktion von rund fünf Prozent. Neben der Wirkung bereits gesetzter Dekarbonisierungsmaßnahmen beeinflussen auch energiewirtschaftliche Entwicklungen und Absatzmengen die jährliche Emissionshöhe. Die Veränderung gegenüber dem Vorjahr ist daher ein Ergebnis erzielter, operativer Fortschritte und mengen-, markt- und witterungsbedingter Effekte.
Eine Treibhausgasbilanz zeigt jedoch nicht nur die Gesamthöhe der Emissionen, sondern macht auch sichtbar, wo die größten Hebel für Dekarbonisierungsmaßnahmen liegen.
Die Analyse der THG-Bilanz 2025 zeigt drei wesentliche Emissionsschwerpunkte (Hotspots):
die fossile Wärmeerzeugung
der Absatz von Erdgas
der Absatz von CO2-behaftetem Strom (Graustrom)
Gemeinsam stehen diese Bereiche für rund drei Viertel der gesamten Treibhausgasemissionen des Energie Steiermark Konzerns. Entsprechend liegen auch hier die wichtigsten Ansatzpunkte für die weitere Dekarbonisierung. Die Energie Steiermark setzt dabei auf den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung, die Ökologisierung und Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung im Großraum Graz, den Einsatz neuer Technologien wie Geothermie und Wasserstoff sowie die Unterstützung von Kund:innen bei der Umsetzung eigener Dekarbonisierungsmaßnahmen. Ziel ist es, die Energie- bzw. Wärmeversorgung Schritt für Schritt nachhaltiger zu gestalten und fossile Energieträger zunehmend durch ökologische, leistbare und versorgungssichere Alternativen zu ersetzen.
Ein verlässlicher Rahmen für die Transformation
Damit die erforderlichen Veränderungen langfristig geplant und wirksam umgesetzt werden können, braucht es neben unternehmerischem Engagement auch klare politische Leitplanken. Die Diskussion um ein neues Klimaschutzgesetz verdeutlicht, wie wichtig ein solcher verlässlicher Rahmen für die langfristige Ausrichtung und Umsetzung der Transformation ist. Klimaschutz ist eine langfristige gesellschaftliche Aufgabe, die eine gemeinsame Orientierung über viele Jahre hinweg erfordert. Dafür braucht es nachvollziehbare Zielpfade, eine kontinuierliche Erfolgskontrolle sowie Transparenz darüber, ob gesetzte Maßnahmen die gewünschte Wirkung entfalten.
Der derzeit in Begutachtung befindliche Entwurf für ein neues Klimagesetz soll mit Emissionsobergrenzen, einem Klimafahrplan und regelmäßiger Fortschrittskontrolle diesen langfristigen politischen Orientierungsrahmen schaffen. Ob das gelingt, hängt maßgeblich von der konkreten Ausgestaltung und Finanzierung von Maßnahmen im Zuge des für 2027 avisierten Klimafahrplans ab. Für langfristig schwer vermeidbare Restemissionen können künftig auch sogenannte technische Senken an Bedeutung gewinnen – damit befasst sich das aktuell auch in Begutachtung stehende Kohlenstoffdioxid-Speicherungsgesetz. Emissionsvermeidung und direkte Reduktion bleiben jedoch die vorrangigen Hebel.
Fazit: Klimaschutz ist ein kontinuierlicher Prozess
Die Treibhausgasbilanz ist weit mehr als eine jährliche Bestandsaufnahme. Sie zeigt, welche Entwicklungen bereits sichtbar werden, wo weiterer Handlungsbedarf besteht und welche Bereiche für die Transformation des Energiesystems besonders relevant sind. Für die Energie Steiermark bleibt Klimaschutz ein langfristiger Weg, der Schritt für Schritt verfolgt wird. Die Bilanz zeigt: Die größten Emissionsreduktionen werden dort erreicht, wo fossile Erzeugung und fossiler Energieabsatz durch Alternativen ersetzt werden können. Dafür braucht es Investitionen in erneuerbare Erzeugung, Wärme, Netze, Speicher und neue Technologien sowie Angebote, die Kund:innen bei ihrer eigenen Dekarbonisierung unterstützen. Die Umsetzung dieser Investitionen setzt einen verlässlichen politischen Rahmen voraus, der Planungssicherheit schafft und die Transformation unterstützt.
* Mit dem Fahrplan Klimaneutralität 2040 verfolgt die Energie Steiermark das Ziel einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um 90 bis 95 % bis 2040. Der Fahrplan umfasst alle österreichischen, vollkonsolidierten Konzerngesellschaften im Scope 1, 2, und 3. Nicht vermeidbare Restemissionen werden durch natürliche und technologische Senken ausgeglichen.




